Der Anwaltsverband hat das Feuer auf die Justizreform in Marokko eröffnet, in Anwesenheit von Mustapha Ramid, der der Einladung zu dem kürzlich in Safi organisierten Kolloquium zum Thema „Die Justizreform hängt von einem echten politischen Willen ab“ gefolgt war.
Herr Wahbi, Präsident des Anwaltsverbandes in Marokko, geißelte das Justizministerium, dem er vorwarf, die Debatte über die Reformen des Sektors zu monopolisieren, während er Ansätze und Mechanismen anwendete, die in keiner Weise den Zielen dieses Vorhabens dienen würden. Letzteres habe die Hauptakteure ausgeschlossen und die Beteiligung der Justizbehörde minimiert.
Herr Wahbi lehnte die „Fertigrezepte“ kategorisch ab, da die Reform keine saisonale Aktivität, sondern ein kontinuierlicher und kumulativer Prozess sei.
Der Präsident der Anwaltskammer von Safi betonte seinerseits die Notwendigkeit einer Synergie der Bemühungen, um das Justizreformprojekt zum Erfolg zu führen und so der Krise zu begegnen, die an Ausmaß gewinnt.
Amine Ezzine, Generalsekretär der Union Arabischer Anwälte, befasste sich mit der Priorität, eine globale Vision für das Justizreformprojekt zu haben, das in der arabischen Region im Allgemeinen mit zahlreichen Hindernissen konfrontiert ist. Die Reform sollte in erster Linie Gesetze, Techniken, Instrumente, Garantien und die moralische Frage berücksichtigen, um zur Etablierung einer effektiven, kompetenten und unabhängigen Justizbehörde zu gelangen.
Während seiner Intervention erinnerte der Justizminister, Mustapha Ramid, an den königlichen und politischen Willen, diese Reform durchzuführen, die die Prinzipien der Unabhängigkeit und der Konsolidierung der Vorrechte des Justizapparates, die in der neuen Verfassung enthalten sind, umsetzen soll. Für ihn sollte dieses Vorhaben eine Plattform für eine nationale und partizipative Debatte bilden, die in eine nationale Referenzcharta für den Justizsektor münden wird.
Es sei daran erinnert, dass die Justizreform laut ihrer Präsentationsnotiz mehrere strategische Ziele verfolgt, nämlich das Vertrauen der Bürger und die Glaubwürdigkeit der Justiz sowie ihre Rolle bei der Ausübung von Rechten und Freiheiten zu stärken, um die Bedingungen für ein faires Verfahren zu schaffen, den Zugang der Bürger zur Justiz zu erleichtern und die Qualität und Transparenz der Justizdienste sowie deren Schnelligkeit zu festigen und das Justizsystem aufzurüsten, zu modernisieren und in den Dienst der Bürger und der Erfordernisse der Entwicklung zu stellen. Ziele, die durch die zahlreichen Vorwürfe bezüglich des Fehlens objektiver einheitlicher Kriterien bei der Zusammensetzung der hohen Dialoginstanz, des Ausschlusses bestimmter Justizberufe von dieser und der von Mustapha Ramid gewählten Arbeitsmethodik immer schwieriger zu erreichen scheinen.
Nachrichten 28 Nov 2012 2 Min. Lesezeit
Kolloquium in Safi zur Justizreform: Die Anwälte lehnen Ramids „Fertigrezepte“ ab

