Sidi Slimane (arabisch: سيدي سليمان) ist eine Stadt im Nordwesten Marokkos und das administrative Zentrum der gleichnamigen Provinz in der Region Rabat-Salé-Kénitra. Mit einer Bevölkerung von 95.114 Einwohnern (Stand 2024) fungiert die Stadt als zentraler Knotenpunkt in einer der fruchtbarsten Regionen des Landes. Gelegen etwa 60 Kilometer von der Hafenstadt Kénitra entfernt, blickt die Stadt auf eine Entwicklung zurück, die eng mit der landwirtschaftlichen Produktivität der Gharb-Ebene verknüpft ist.
Die Stadt liegt strategisch günstig am Ufer des Oued Beht, einem wichtigen Nebenfluss des Sebou. Diese geografische Lage begünstigt die intensive landwirtschaftliche Nutzung der umliegenden Gharb-Ebene. Die Region ist geprägt von weitläufigen Feldern, die für den Anbau von Zitrusfrüchten, Getreide, Zuckerrüben und verschiedenen Gemüsesorten bekannt sind. Sidi Slimane ist von bedeutenden Städten umgeben: Im Osten liegt Sidi Kacem, im Südosten Meknès, im Süden Khémisset, im Westen Sidi Yahya El Gharb und Kénitra sowie im Norden Mechra Bel Ksiri, Souk El Arbaa und Ouezzane.
Während der französischen Kolonialzeit erlangte Sidi Slimane den Beinamen „Le Petit Paris“. Dieser historische Beiname zeugt von der städtebaulichen und kulturellen Prägung jener Ära. Ein besonderes Kapitel der lokalen Kulturgeschichte schrieben die Maler Hans Kleiss und Yvonne Kleiss-Herzig, die sich ab 1952 in der Stadt niederließen und das lokale Leben künstlerisch dokumentierten.
Die Wirtschaft von Sidi Slimane ist primär agrarisch geprägt. Die Stadt dient als Umschlagplatz für die Erzeugnisse der Region. Eine Besonderheit der lokalen Wirtschaftsstruktur ist die starke Verbindung zur marokkanischen Diaspora. Historisch gesehen erlebte die Stadt ab den 1970er Jahren eine signifikante Auswanderungswelle nach Südeuropa, insbesondere nach Frankreich, Spanien und Belgien. Viele Einwohner fanden Arbeit in der Landwirtschaft und Industrie, vor allem entlang der Achse Bordeaux – Toulouse – Montpellier.
Diese enge Bindung zur Diaspora spiegelt sich auch in der Finanzkraft der Stadt wider: Im Jahr 2006 verzeichnete die Banque Populaire in Sidi Slimane eine der höchsten Geldeingangsraten Marokkos, was maßgeblich auf Investitionen der im Ausland lebenden Einwohner in lokale Immobilien- und Geschäftsprojekte zurückzuführen war. Für diejenigen, die in der Region verblieben, stellten die größeren urbanen Zentren wie Fès, Rabat, Tanger und Casablanca wichtige Ziele für die berufliche Entwicklung dar.
Sidi Slimane ist heute ein wichtiges regionales Zentrum. Reisende, die die Gharb-Ebene erkunden, finden in der Stadt einen authentischen Einblick in das marokkanische Agrarleben. Die Stadt ist über das regionale Straßennetz gut an die umliegenden Provinzhauptstädte angebunden, was sie zu einem interessanten Ausgangspunkt für Fahrten durch die fruchtbaren Ebenen des Nordwestens macht.