In der offiziellen Auswahl dieser 16. Ausgabe, deren Arbeiten bis zum 28. Februar fortgesetzt werden, eröffnete „La Moitié du ciel“ von Abdelkader Lagtaâ den Wettbewerb der Spielfilme. Dieser 2014 produzierte Film beleuchtet das Leid der Familien politischer Gefangener der 70er Jahre sowie ihren langen Kampf für die Befreiung ihrer Angehörigen. Um diesen Teil der Geschichte Marokkos gut zu beschreiben, hat Abdelkader Lagtaâ sein Augenmerk auf das autobiografische Buch „La liqueur d’Aloès“ von Jocelyne Laâbi gerichtet, auf dem dieser 102-minütige Film basiert. „La Moitié du ciel“ beginnt mit der Welle von Verhaftungen, die 1972 in den Reihen der politischen Opposition stattfand, insbesondere bei denen der geheimen extrem linken Bewegung „Ila Al Amame“ (Vorwärts). Zu den berühmtesten von ihnen gehört der Dichter und Schriftsteller Abdellatif Laâbi. Letzterer, dessen Figur vom jungen Künstler Anas El Baz interpretiert wird, stand schon lange vor der Gründung seiner Zeitschrift Souffles (1966-1971) im Visier. „Der Kampf von Abdellatif Laâbi ist beispielhaft. Selbst inhaftiert und gefoltert, blieb er seinen Ideen sehr verbunden. Und er ist immer noch so engagiert wie damals“, bekräftigt Abdelkader Lagtaâ nach der Vorführung seines Films.
Dieser Film zeigt, wie Abdellatif Laâbi vom ersten Tag seiner Inhaftierung an von seiner Ehefrau Jocelyne stark unterstützt wurde. Diese, deren Figur von der Schauspielerin Sonia Okacha verkörpert wird, mobilisierte sich mit den Familienmitgliedern der anderen politischen Gefangenen, um die Stimme ihrer Angehörigen in der Öffentlichkeit Gehör zu verschaffen. Da sie immer an die Werte glaubte, zu denen ihr Mann aufruft, erlitt Jocelyne damals fast das gleiche Schicksal wie er, indem sie versuchte, einem der berühmten politischen Oppositionellen auf der Flucht zu helfen. Abdellatif Laâbi konnte so durchhalten, bevor er acht Jahre nach seiner Freiheit wieder anfing, sich durch seine Schriften und Gedichte zu engagieren.
Neben „La moitié du ciel“ lässt dieses 16. FNFT vierzehn weitere Spielfilme antreten, darunter „Agadir Express“ von Youssef Fadel, „L’Orchestre des aveugles“ von Mohamed Mouftakir, „Les Transporteurs“ von Saïd Nacir, „Chaïbia, la paysanne des arts“ von Youssef Britel sowie den Dokumentarfilm „Rif 58-59“ von Tarik El Idrissi. Die Arbeiten dieser Veranstaltung sehen auch die Programmierung von fünfzehn Kurzfilmen im offiziellen Wettbewerb vor. Es handelt sich unter anderem um „Colère“ von Nour Aytallah, „Jennah“ von Meryem Benmbarek, „Bout-à-bout“ von Asmae El Moudir, „Dounia“ von Janane Fatine Mohammadi und „Le mur“ von El Mehdi Doukkali.

